Femme Fatale

Rom:nja und Sinti:ze werden seit vielen Jahrhunderten als Randgruppe dargestellt. Besonders unter der rassistischen Fremdbezeichnung werden Menschen, die den Communities zugeschrieben werden, als primitive, isolierte und exotische Wesen abgebildet. Sie werden als Personen dargestellt, die außerhalb der Werte- und Normvorstellungen stehen. Davon sind häufig Romnja betroffen, da hier nicht nur Rassismus, sondern auch Sexismus eine Rolle spielt. Sie werden durch Bilder zu Objekten gemacht, die negative Eigenschaften widerspiegeln.

Ein Beispiel ist das Klischee der schönen Zigeunerin

Die Frau ist als verführerische Gestalt abgebildet. Sie ist meistens jung, hat dunkles, wallendes Haar und ausdrucksstarke Augen. Sie wirkt geheimnisvoll. In den Bildern und Texten ist sie als lebhafte, leidenschaftliche Frau präsentiert. Mit einer Zigarette (oder einem anderen Rauchutensil) im Mund bewegt sie sich an einem öffentlichen Ort. Sie wird wild, unmoralisch und keinen Konventionen folgend porträtiert. Ihre Kleidung ist tief ausgeschnitten, unachtsam oder provisorisch zusammengebunden oder sie ist teilweise unbekleidet.

Was man auf dem Bild auf den ersten Blick nicht sieht: Die so abgebildete Frau wird zu einem Objekt der Romantisierung und der Verachtung – kurz zu einem Lustobjekt – gemacht. Sie ist anziehend und fasziniert – sie verheißt aber auch Unheil: Ebenso wie die Roman-Figur Carmen des französischen Schriftstellers  Prosper Mériméé (1803-1870).

Frauen, die unter der rassistischen Fremdbezeichnung dargestellt sind, werden in den vorliegenden historischen Beständen nicht so präsentiert, wie das „ideale“ Frauenbild verlangte. Viel schlimmer noch: Die Vielzahl der vorliegenden Aufnahmen suggeriert, dass Frauen, denen die rassistische Fremdzuschreibung übergespült wurde, dem konstruierten Typ entsprechen.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die jungen Frauen, die heute den Communities zugeschrieben werden, so tatsächlich gekleidet waren, während sie ihren Alltag bestritten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die künstlerischen Arbeiten der Fantasie der meistens männlichen Künstler entstammten. Bei den Fotografischen Arbeiten kann man davon ausgehen, dass die Frauen von den ebenfalls männlichen Fotografen für diese Bilder bezahlt wurden – wie Models heute noch bezahlt werden.

Es kann nicht geklärt werden, ob die so dargestellten Frauen jemals gewusst haben, dass diese Aufnahmen von ihnen in Massenmedien die Jahrhunderte überdauern würden. Wir wissen in den meisten Fällen nicht, wer diese Frauen waren. Ihre Namen und Geschichten sind meistens unbekannt.